Radwegverbindung von Freising nach Garching
Bericht der gemeinsamen verkehrspolitisch ausgerichteten Radtour von ADFC und VCD Freising
am 20. September 2026
Im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche 2026 haben sich Mitglieder von ADFC und VCD Freising am Sonntag 26. September 2026 zu einer Fahrradexkursion aufgemacht, um die Radwegeverbindung von Freising nach Garching unter die verkehrspolitische Lupe zu nehmen.
Hauptziel war es, die vom ehemaligen Landrat Petz 2022 ins Gespräch gebrachte „schnelle Radverbindung“ von Freising nach Garching auf ihre Realisierbarkeit zu überprüfen.
Damit ging darum, Optionen für eine Radwegverbindung zu überprüfen, die sich an den vorhandenen Deichwegen und Deichverteidigungswegen anlehnt und eine Entlastung für den von Fußgänger:innen stark frequentierte Weg direkt an der Isar oder das oftmals gefährliche Fahren entlang der Staatsstraße darstellen könnte.
Daneben wurde auch die Problematik des 2024 beim Sommerhochwasser durch Seitenerosion entstandenen Isarabbruchs bei Dürneck mit der bis heute unzureichenden Umfahrungsoption beleuchtet.
Auch der Stand der Planungen des Radwegs entlang der Staatsstraße von Achering nach Garching wurde mit einbezogen.
Den Abschluss bildete dann das Kontrastprogramm auf dem inzwischen bereits fertig gestellte Radschnellwegteilstücken bei Garching.
3 relevante Rahmenbedingungen für die Radwegverbindung
1 Planungen von Radschnellwegen in der Region München
Bereits 2008 hat der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München mit Überlegungen für ein Netz von Radschnellwegen begonnen.
2015 wurde dann eine Potentialanalyse vorgelegt, in der potentielle Achsen mit einem zu erwartenden Potential von mindestens 2.000 Radfahrer:innen pro Tag enthalten waren.
Allerdings bezog sich die Potentialanalyse nur auf einen Umkreis um das Stadtzentrum von München. Zum damaligen Zeitpunkt erschien dieser Radius angemessen.
Mit der Marktdurchdringung durch Pedelecs muss dieser Radius allerdings als zu eng gezogen eingestuft werden.
Die Mittelzentren Ebersberg, Erding und Freising in der Region München sind damals nicht in die Potentialanalyse einbezogen worden. Die Reichweitenerhöhung durch die zunehmende Verbreitung von Pedelecs ermöglicht aber auch Entfernungen über 20 km für Alltagswege von Berufspendler:innen.
Im Fall von Freising besteht zusätzlich auch noch eine wichtige Wegebeziehung nach Garching zwischen dem TUM-Standort in Weihenstephan und dem TUM Campus in Garching. Auch bedeutet die Verbindung nach Garching für den westlichen Landkreis eine Anbindung an die U6 nach München.
Nachdem als erste Pilotlinie für einen Radschnellweg in der Region München die Verbindung von der Innenstadt zum TUM Campus in Garching weiter verfolgt wurde, und die Planungen 2021 in ein konkretes Stadium getreten sind, hat sich vor diesem Hintergrund der ehemalige Freisinger Landrat Petz 2022 bei der damaligen Verkehrsministerin Schreyer ein Aufnahme der Verbindung Freising Garching in das Radschnellwegprogramm des Freistaats erbeten. Dies wurde allerdings von der Ministerin abgelehnt.
2 Hochwasserschutzprogramm ISAR 2020
Nach den Hochwasserereignissen 2013 wurden in Bayern entlang vieler Flüsse die Hochwasserschutzmaßnahmen erweitert. Für die Isar wurde mit dem Hochwasserschutzprogramm ISAR 2020 ein Plan zur Verstärkung der Deiche und einer teilweisen Deichrückverlegung vorgelegt.
Teile des Programms (auch östlich von Freising) sind bereits umgesetzt, wobei in diesem Zusammenhang teilweise auch die Nutzung von Deich(kronen)wegen und sog. Deichverteidigungswegen (hinter dem Deich) für Radfahrer:innen verbessert worden ist.
Im Abschnitt zwischen Freising und Garching wurde allerdings mit der Realisierung noch nicht begonnen.
3 Engagement des Landkreises zwischen 2022 und 2024
Nach der Ablehnung der Aufnahme der Verbindung Freising Garching in das Radschnellwegeprogramm des Freistaates hat sich der ehemalige Landrat Petz dafür eingesetzt, dass der Landkreis selbst aktiv wird, zwar nicht mit einem „echten“ Radschnellweg, der mindestens 4m breit sein müsste, sondern mit einem „schnellen“ Radweg. Die Süddeutsche Zeitung formulierte:
„Das Staatliche Straßenbauamt habe seine Unterstützung zugesagt, und so könne man dort, wo man entsprechende Grundstücke schon habe, starten. Etwa auf einem 3,50 Meter breiten Deichverteidigungsweg. Mit diesen geringeren Ausmaßen sei das ‚dann halt kein Fahrradschnellweg, sondern ein schneller Radweg‘, in dem Sinne, ‚dass wir schnell was auf die Beine stellen‘, so der Landrat.“
Nachdem der Kreistag die Initiative Ende 2022 angesichts der damit verbundenen Kosten erst einmal auf Eis gelegt hatte, erhielt diese 2023 erneut Rückenwind. Im Zuge der Aufnahme des Landkreises in die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) Bayern wurde –auch angesichts der Prognose von 4.000 Radfahrer:innen pro Tag – eine Förderquote von 75 % für die Verbindung von Freising nach Garching in Aussicht gestellt.
Das Freisinger Tagblatt schrieb damals: „Laut Bauministerium könnte die Verbindung zwischen Freising und Garching der erste fertiggestellte Radschnellweg im Freistaat sein. Teilweise sei er schon gebaut, Grunderwerb sei kaum notwendig, den Deichverteidigungsweg des Wasserwirtschaftsamts entlang der Isar könne man gut nutzen. Ob es dann ein ’schneller Fahrradweg‘ mit einer Breite von 3,5 Meter oder ein von den drei Bürgermeistern bevorzugter ‚Fahrradschnellweg‘ mit einer Breite von vier Metern wird, sei noch nicht geklärt, sagte Petz. Doch das konnte sein Glück nicht trüben.„
Entlang des Deiches auf der Suche nach einer Verbindung
Entsprechend der politischen Diskussion in den Jahren 2022 bis 2024 folgten wir im Rahmen der Exkursion wir im Wesentlichen dem Isardeich auf der Suche nach den Optionen für eine Verbindung.
Kurz hinter dem Freisinger Südring wurde der Deichverteidigungsweg kürzlich vom Wasserwirtschaftsamt neu geschottert. Allerdings erfolgte die Bauausführung als reiner Wirtschaftsweg mit grobem Schotter.
Durch eine Verdichtung und Planierung könnte dieser ohne großen Aufwand ein gut befahrbares Teilstück werden.
Die Beschilderung lässt allerdings vermuten, dass das Wasserwirtschaftsamt an einer Mitbenutzung durch Radfahrer:innen kein Interesse hat.
Über weite Teile könnte der Deichweg ohne größeren Aufwand so ertüchtigt werden, dass er für Radfahrende gut als Alternative verwendbar ist.
Die Benutzung dieser Alternative durch Alltagsradler:innen und auch sportlichen Radfahrer:innen, die mit höheren Geschwindigkeiten unterwegs sind, würde bedeuten, dass der Isarradweg entlastet wird. Damit könnten die dort aktuell auftretenden Konflikte zwischen Fußgänger:innen, und Jogger:innen mit Radfahrer:innen reduziert werden.
Ggf. könnte dann in manchen Abschnitten den Fußgänger:innen Priorität gewährt werden (so wie das stadteinwärts Richtung München bereits teilweise der Fall ist).
Gleichzeitig wäre eine Alternativroute auch für Alltagsradler:innen zwischen Achering und Garching eine Alternative, wo bislang noch kein straßenbegleitender Radweg entlang der Staatsstraße 2350 vorhanden ist.
… und vom TUM Campus besteht nahtloser Anschluss an das bereits fertig gestellte Stück des Radschnellweges in Richtung München!
(siehe unten)
Problemstelle Isarabbruch
Die früher weit mäandierende Isar ist über weite Teile im 19. und 20. Jahrhundert mit massiven Seitenbefestigungen in ein enges Bett gezwängt worden.
Seit Ende des 20. Jahrhunderts werden unterschiedlichste Maßnahmen zur Renaturierung durchgeführt, um den Charakter eines Wildflusses teilweise wieder zu ermöglichen.
Beim Sommerhochwasser 2024 hat die Isar etwa bei Flusskilometer 117 (Höhe Dürneck) die durch die partielle Entfernung der Seitenbefestigung gebotene Chance zur
Seitenerosion genutzt. Dabei brach ein Teil des Isarradweges ab.
Offiziell ist diese Abschnitt seit über 2 Jahren gesperrt.
Radfahrer:innen entlang der Isar werden ohne weitere Vorwarnung mit dieser plötzlichen Sperrung konfrontiert.
Allerdings wird mangels einer brauchbaren Alternative und einer insuffizienten Ausschilderung die Abbruchstelle faktisch von vielen genutzt.
Aus Richtung Freising und aus Richtung München kommende Radfahrer werden an der Sperre auf die Staatsstraße (2350, ehemalige B11) verwiesen.
Diese ist ein stark frequentierter Zubringer von Freising zur BAB-Anschlussstelle Freising-Süd mit ca. 10.000 Kfz pro Tag.
Die Staatsstraße verfügt im Umleitungsbereich zwischen den beiden Sperrbaken am Isarradweg über einen straßenbegleitenden Radweg (s. u.).
Allerdings ist die Staatsstraße mehrere 100 Meter vom Isarradweg entfernt. Darüber hinaus verläuft der straßenbegleitende Radweg auf der östlichen Straßenseite, so dass diese überquert werden muss.
Im Überquerungsbereich wäre eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 60 sowie entsprechende Gefahrzeichen (StVO-Zeichen 138 – „Radfahrer“) mit dem Zusatzzeichen 1000-32 – „Radfahrer kreuzen von rechts und links“ sowie Bodenmarkierungen notwendig, um ein halbwegs sicheres Queren zu ermöglichen.
Der oben bereits erwähnte Deichverteidigungsweg quert (von Freising kommend) den Weg von der nördlichen Sperrung des Isarradweges.
Allerdings endet der Ausbau des Deichverteidigungswegs wenige Meter bevor er den Umleitungsweg zurück zum Isarradweg Richtung München erreicht.
Der Ausbau erfolgte also rein nach den Bedürfnissen des Wasserwirtschaftsamtes für den Unterhalt des Deiches ohne die Notwendigkeit der Radfahrer:innen zu berücksichtigen.
Mit wenigen Lastwagenladungen Schotter könnte hier eine sichere Umfahrung des Isarabbruchabschnittes hergestellt werden.
ES IST UNVERSTÄNDLICH, WARUM SO EINE EINFACHE PRAGMATISCHE UND SICHERE LÖSUNG NICHT REALISIERT WIRD1
Bei der Einordnung des Umgangs der zuständigen Behörden mit dem Isarabbruch ist auch zu berücksichtigen:
Beim Isarradweg handelt es sich nicht um einen Dorfverbindungsweg oder einen Freizeitweg für wenige Landbewohner.
Der Abschnitt ist einerseits Teil des bayerischen Isarradweges von der Quelle bis zur Mündung. Als solcher ist er auch im Programm „Radlland Bayern“ der Staatsregierung für Freizeitrouten enthalten. Über beide Plattformen wird der Isarradweg entsprechend national und international beworben. Stand September 2026, also 2 Jahre nach dem Hochwasser ist auf beiden Plattformen die Radroute noch ohne Umleitung enthalten!
Gleichzeitig ist der betroffene Abschnitt als D-Route 11: Ostsee-Oberbayern zugleich Teil der nationalen Radwegenetzes. In der GPX-Routendatei für die D11 ist die Umleitung im Spetember 2026 ebenfalls nicht hinterlegt. Radfahrer:innen, die sich auf diese Quellen für ihre Routenplanung verlassen, werden als unvermittelt mit der Umleitung konfrontiert!
Auch angesichts dieser Bedeutung erscheint der Umgang mit der durch die Flusserosion entstandenen Unterbrechung durch die zuständigen Stellen mehr als unverständlich.
Die Tatsache, dass die Umleitungsstrecke entlang der Staatsstraße vom Landratsamt Freising im Jahr 2026 offiziell neu ausgeschildert worden ist, bedeutet wohl, dass man sich dort mit dem aktuellen Zustand zufrieden gibt.
Da der Bereich des Isarabbruches sowohl im Naturwald „Auwälder an der Mittleren Isar“ als auch im FFG-Gebiet (Natura 2000) „Isarauen von Unterföhring bis Landshut“ handelt, ist nachvollziehbar, dass aus Gründen des Naturschutzes nicht einfach durch den Auwald eine Ersatzweg trassiert werden kann.
Da aber eine fast vollständige Umfahrungsmöglichkeit entlang des Deichverteidigungsweges besteht, läge es wirklich nahe, diese zu vervollständigen, statt die Radfahrer:innen zweimal über die gefährliche Staatsstraße zu jagen.
Planungen für straßenbegleitenden Radweg zwischen Achering und Campus Garching
Entlang der Staatsstraße 2350 zwischen Freising und Garching besteht bereits ein straßenbegleitender 2-Richtungsradweg zwischen Freising (Südring/Kreuzung FS44) und Achering. Allerdings ist dieser nicht bevorrechtigt, um zügiges Vorankommen zu ermöglichen. An jeder Einmündung müssen die Radfahrer:innen dem Kfz-Verkehr die Vorfahrt einräumen (obwohl die Kfz 5 m weiter dann sowieso beim Einbiegen auf die Staatsstraße warten müssen).
Fahrradfreundliche Politik sieht anders aus … und ist ja auch – nicht nur in den Niederlanden sondern auch in vielen Kreisen in Deutschland – umgesetzt.
Allerdings hat der Kreistag diese Überlegungen 2024 im Zuge der Haushaltsdiskussionen wieder hintan gestellt und sich von einer separaten Baulastträgerschaft verabschiedet.
Aktuell zuständig ist der Landkreis Freising noch für den „Lückenschluss“ zwischen Achering und dem Gewerbegebiet Mintraching, sprich die Querung der Autobahn und der S-Bahn-Trasse.
Statt dass wie in den Niederlanden hier durch entsprechende Flächenumverteilung auf der Brücke Raum für die Radfahrer:innen geschaffen oder eben eine separate Brücke gebaut wird, soll lediglich der bestehende Feldweg unter der Autobahn/S-Bahn „ertüchtigt“ werden.
Nach aktuellem Stand hat nun das staatliche Bauamt für die Abschnitte von der Einmündung zum Gewerbegebiet Mintraching (Cineplex, Flystation Munich) bis zum Campus Garching die Baulastträgerschaft für einen straßenbegleitenden 2-Richtungsradweg übernommen.
Auf diesem Abschnitt heute auf der Kfz-Fahrbahn mit dem Fahrrad zu fahren ist angesichts der hohen Kfz-Frequenzen (von mehr als 12.000 Kfz pro Tag) und der hohen Geschwindigkeiten vielen zu gefährlich.
Eine baldige Umsetzung des straßenbegleitenden Radwegs erscheint dringend geboten, wird aber wohl noch einge ganze Reihe von Jahren auf sich warten lassen.
Allerdings bezieht sich die Baulastträgerschaft des staatlichen Straßenbauamtes nur auf die Abschnitte außerhalb der beiden Ortschaften Grüneck und Dietersheim!
Wie die kritischen Ortsdurchfahrten für Radfahrer:innen entschärft werden, steht daher noch in den Sternen.
Die aktuelle Lösung in Grüneck: zulasten der Fußgänger:innen kann jedenfalls keine Dauerlösung sein.
Zwischen Achering und dem TUM-Campus in Garching ist angesichts eines nicht vorhandenen Radweges entlang der Staatsstraße die umgehende Realisierung der oben diskutierten Alternativroute entlang des Deiches bzw. weitgehend vorhandener landwirtschaftlicher Wege dringend geboten.
Abschlusshighlight: EINE NEUE DIMENSION DES RADFAHRENS
Der Radschnellweg in Garching
Vom TUM-Campus in Garching auf dem im Juli 2026 eröffneten Bauabschnitt nach Hochbrück und dann weitere auf dem 1. bereits 2024 fertig gestellten Abschnitt zur Ingolstädter Straße in München.
- Bestehende Brücke über die BAB 9 wurde einbezogen
- Solarbetriebene Beleuchtung mit Bewegsungssensoren.
- Kosten ca. 6. Mio €, davon 75 % Fördermittel des Bundes
- … allerdings fehlen dann bis zur Innenstadt schon noch ca. 13 km
Photos: Andreas Kagermeier und Vilmar Eggerstorfer

